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Ein halbes Jahr lang wurde das Trinkwasser für Keltern und den Remchinger
Ortsteil Nöttingen gechlort. Jetzt sorgt statt dessen eine UV-Entkeimungsanlage
mit energiereichem Licht für ein hygienisch einwandfreies Nass. Die
Bürgermeister der beiden am „Wasserversorgungsverband Oberes Pfinztal“
beteiligten Gemeinden, Ulrich Pfeifer (Keltern) und Wolfgang Öchsle (Remchingen)
übergaben die 50.000 Euro teure Anlage ihrer Bestimmung. Untergebracht ist die
UV-Entkeimungsstation im Pumpenhaus zwischen Weiler und Ellmendingen.
Unmittelbar daneben befinden sich auch die beiden Brunnen, die das Wasser für
Keltern und Nöttingen liefern. In 40 Metern Tiefe werden grundwasserführende
Schichten in Muschelkalk und Buntsandstein angezapft und je Sekunde 48 Liter
nach oben gepumpt, 173 Kubikmeter in der Stunde. Dies geschieht vorzugsweise
nachts, der günstigeren Stromtarife wegen. Im Februar 2007 hatte das
Pfinztalwasser negative Schlagzeilen gemacht, als Coli-Bakterien und sogenannte
„coliforme Keime“ im Leitungswasser gefunden wurden. Darauf hin hatte das
Gesundheitsamt des Enzkreises angeordnet, das Wasser zu chloren. Aus Gründen der
Vorsicht war die Chlorung bis zum jetzigen Einbau der UV-Entkeimungsanlage
fortgesetzt worden, obwohl die Untersuchungen der letzten Monate keine
Keimbelastung mehr ergaben. Bereits früher war es hin und wieder zu
Verunreinigungen des Wassers mit Keimen gekommen. So zuletzt im Januar 2004, als
ebenfalls eine Chlorung angeordnet wurde. Schon damals war auch der Einbau einer
UV-Anlage diskutiert worden. Als weitere Verunreinigungen jedoch ausblieben,
hatte die Verbandsversammlung im Mai 2005 beschlossen, auf den Einbau einer
Entkeimungsanlage zu verzichten. Anders dieses Mal: Im Mai entschied sich die
Versammlung des Wasserverbandes „Oberes Pfinztal“ für die Anschaffung einer
UV-Entkeimungsanlage, die jetzt eingebaut wurde. Parallel dazu wurde jedoch auch
Ursachenforschung betrieben, um zu ermitteln, woher die gelegentlichen
Verunreinigungen stammen und wie sie ins Trinkwasser geraten. An den
Untersuchungen waren das Wasserwirtschafts- und das Gesundheitsamt des
Enzkreises sowie ein Geologe beteiligt. „Ungeachtet dessen, dass die Sicherheit
unserer Trinkwasserversorgung gewährleistet ist, werden wir den Ursachen für die
Verunreinigungen weiter auf den Grund gehen“, erklärte Kelterns Bürgermeister
Ulrich Pfeifer bei der Inbetriebnahme der UV-Anlage. Dabei wird davon
ausgegangen, dass verunreinigtes oberflächennahes Grundwasser Gelegenheit hat,
mit dem tiefen Grundwasser, das in den Brunnen gefördert wird, in Kontakt zu
kommen. „Hier im Pfinztal haben wir mehrere Grundwasserschichten, die
voneinander getrennt sind“, erklärt Geologe Harald Engel, der mit den
Untersuchungen betraut ist. „Unter der Lehm- und Bodenoberfläche befindet sich
sogenannter „Pfinzschotter“, der in geringer Tiefe Grundwasser führt.“ In diesen
Grundwasserhorizont könnten, vor allem bei Starkregenereignissen, beispielsweise
Güllereste von der Düngung der Äcker eingeschwemmt werden und mit ihnen die
Keime. Dieser obere Grundwasserhorizont ist grundsätzlich durch
wasserundurchlässige Schichten von der unteren Grundwasserzone in 40 Metern
Tiefe getrennt, aus der das Trinkwasser entnommen wird. Über einen möglichen Weg
der Verschmutzung der Tiefbrunnen haben jüngst Färbeversuche Aufschluss gegeben.
Danach konnte ausgebrachter Farbstoff in einem der beiden Brunnen nachgewiesen
werden, ein Hinweis darauf, dass oberflächennahes Wasser eindringt.
„Verantwortlich dafür könnte eine alte Wasserleitung sein, die das Wasser des
benachbarten Oberbruchbrunnens zur Pfinz ableitet und dabei nahe an dem
betroffenen Tiefbrunnen vorbeiführt“, erklärt der Geologe. Geplant ist, die alte
Leitung zu entfernen, bei deren Bau vielleicht auch die wasserundurchlässige
Schicht verletzt worden sein könnte, die das tiefere Grundwasser vor dem
oberflächennahen schützt, erklärt Kelterns Hauptamtsleiter Otto Seebach, der
zugleich Schriftführer beim Wasserverband ist. Sollte das nicht helfen, müsste
eine aufwendige und teure Sanierung des Tiefbrunnens ins Auge gefasst werden,
bei der das obere Grundwasserstockwerk gegen das untere abgedichtet werden
müsste. Selbst wenn es bis zu einer endgültigen Behebung der Ursachen erneut zu
einem Eintritt von Keimen ins Grundwasser kommen sollte: Durch die UV-Anlage,
mit der das Wasser bestrahlt wird, werden 99,9 Prozent aller Keime inaktiviert
und an einer Vermehrung gehindert, sagt Thomas Georgi von der Herstellerfirma.
„Mit dieser Anlage ist die Einhaltung der Trinkwasserverordnung in ihrer
neuesten Fassung gewährleistet.“ Dabei werde das Wasser nicht verändert und der
energiereichen Lichtstrahlung nur kurz ausgesetzt. „So wird auch verhindert,
dass aus etwa vorhandenen Nitraten Nitrite gebildet werden“, erläutert der
Fachmann. „Ich bin froh, dass die Verbandsversammlung der Anschaffung der
UV-Anlage zugestimmt hat“, erklärte Remchingens Bürgermeister Wolfgang Oechsle.
Als stellvertretender Verbandsvorsitzender hatte Oechsle im Mai 2007 die
entscheidende Sitzung des Gremiums geleitet. Und Dr. Andrea Schmieder-Widders
vom Gesundheitsamt des Enzkreises lobt: „Hier wurde wirklich etwas für die
Sicherheit getan. Es war richtig, zweigleisig zu fahren: die Ursachen zu suchen,
aber parallel die Wasserqualität schon mit gängiger Technik zu sichern. In
dem linken Edelstahlzylinder versteckt ist die UV-Bestrahlungsanlage, mit der
das Trinkwasser des Wasserverbandes Oberes Pfinztal von nun an entkeimt wird.
Die Anlage begutachten (v.r.): Thomas Fröhlich (vom Ingenieurbüro Kurt + Thomas
Fröhlich), Thomas Georgi (Fa. Wedeco Vertrieb Südwest), Wolfgang Oechsle, Ulrich
Pfeifer, Otto Seebach, Jürgen Germann, Dr. Andrea Schmieder-Widders und Harald
Engel (Büro für angewandte Geologie).
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